Ich bin überzeugt, Selma Meerbaum-Eisingers Gedichtband kann die gleiche pädagogische Breitenwirkung entfalten, wie die Tagebücher von Anne Frank. Die Identifikation mit einer 15-jährigen Autorin, deren Texte von den bekanntesten deutschen Popstars und Liedermachern interpretiert werden, kann außerdem das Vertrauen von jungen Menschen in die eigene Kreativität erheblich stärken und erleichtert Jugendlichen den Einstieg in Lyrik und Literatur.
Mit der gemeinnützigen Jugendinitiative für Toleranz und Verantwortung step21 habe ich einen versierten und engagierten Partner gefunden. Unterstützt wird das Schulprojekt von der Bild-Stiftung "Ein Herz für Kinder" und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend innerhalb des Bundesprogramms "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus".
[Chasak-Sei stark. Selma]
Pädagogisches Programm zu Selma Meerbaum-Eisinger
Mit jeder Generation schwindet ein Teil der Erinnerung an die Verbrechen der Nazis. Doch nur eine lebendige und verantwortungsbewusste Erinnerung bewahrt uns vor dem Vergessen. Mit einem pädagogischen Programm zu den Werken von Selma Meerbaum Eisinger leistet step21 einen nachhaltigen Beitrag gegen das Vergessen.
Das Programm besteht aus einem Schreibwettbewerb, medienorientiertem Unterrichtsmaterial für Schulen und Jugendeinrichtungen sowie pädagogischer Arbeit in ausgewählten Schulen im Rahmen einer Lesereise. Jugendliche werden vor die Frage gestellt: „Was geht mich eigentlich Selma an?“ Wo entdecke ich mich, meine Wünsche und Träume in der Lebensgeschichte und den Werken von Selma Meerbaum Eisinger? Basis sind Selmas Gedichte und unsere CD „Selma-In Sehnsucht eingehüllt“, auf der zwölf der renommiertesten deutschen Sängerinnen und Sänger Selmas Texte interpretieren.
Der Wettbewerb startete im Oktober 2007. Die besten Beiträge wurden im Rahmen von STEP on TOUR veröffentlicht und präsentiert. STEP on TOUR machte an 15 Schulen in Deutschland halt. Im Sommer 2008 hat step21 auch die eigens entwickelten pädagogischen Materialien veröffentlicht.
Ziel des Programms war es, Jugendlichen eine neue, kreative Herangehensweise an den Holocaust anzubieten, der über die rein kognitiven Angebote im Schulunterricht hinausgeht. In der Auseinandersetzung mit den Gedichten finden die Jugendlichen einen individuellen Zugang zur Lebensgeschichte von Selma und ihrer Zeit. In Selmas Werken drückt sich die Allgegenwärtigkeit von Tod und Trauer aus, aber sie erzählen auch von den Sehnsüchten, Hoffnungen und dem Erwachsenwerden eines jungen Mädchens.
Selmas Gedichte eignen sich zur kritischen Auseinandersetzung mit persönlichen Werten und Lebensvorstellungen, da sie Vergleiche mit der eigenen Biographie zulassen und aufzeigen. Die Parallelen, die zwischen der Lebensgeschichte Selmas und dem eigenen Leben auftauchen, schärfen bei den Jugendlichen das Bewusstsein für die Folgen des Holocaust. Die Konfrontation mit dem Schicksal Selmas fördert die Toleranz gegenüber dem Andersartigen und veranschaulicht für Jugendliche nachvollziehbar die Folgen von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass.
Der Schreibwettbewerb forderte Jugendliche auf, sich mit der Frage auseinander zu setzen, welche Bedeutung das Schicksal Selmas für ihr eigenes Leben und die heutige Gesellschaft besitzt. Darüber sollen sie sich fragen, wie mit dem Holocaust heute umgegangen werden sollte.
Der Aufruf zum Schreibwettbewerb entstand in Form einer Anzeigenkampagne. Zahlreiche Medien haben den Schreibwettbewerb mit der Schaltung einer pro bono Anzeige unterstützt. Darunter befanden sich überregionale, regionale Zeitungen sowie Online-Formate und Stadtmagazine:
DIE ZEIT
Stern
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Focus und Focus Money FRIZZ Mainz FRIZZ Freiburg FRIZZ Giessen/ Marbug/ Wetzlar Känguruh - Stadtmagazin Köln Kreuzer Leipzig Sakko & Vanzetti Neue Szene Augsburg Expuls - Kulturmagazin Oberpfalz Stadtmagzin Siegen Chili Stadtmagazin Freiburg Stadtmagazin 37 Göttingen Fluter.de (BPB) mammamia Main media Würzburg (k) KulturMagazin t.akt - Freizeitmagazin Thüringen MädchenVielen Dank für die tolle Unterstützung!
Der Schreibwettbewerb "Was geht mich eigentlich Selma an?" wurde unter sehr großer Beteiligung (über 500 Einsendungen von Jugendlichen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Italien) am 31. Januar 2008 abgeschlossen. Die GewinnerInnen des Schreibwettbewerbs wurden am 05. Mai 2008 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Literaturhaus Hamburg vorgestellt.
Über 100 Jugendliche aus ganz Deutschland, darunter Schulklassen des Dr. Frank-Gymnasiums in Staßfurt und des Förderzentrums für Körperbehinderte in Nürnberg, sind extra angereist, um an unserer Präsentation in Hamburg teilzunehmen. Auch die Amerikanerinnen Irene und Helene Silverblatt, die nächsten lebenden Verwandten Selmas, hatten sich auf den Weg in die Hansestadt gemacht.
Volkan Baydar und ich haben Gedichte Selmas musikalisch interpretiert. Auch der Exilforscher und Herausgeber der Originalausgabe von Selmas Gedichtband, Jürgen Serke, war anwesend und hielt einen bewegenden Vortrag.
Leider war das Projekt [Chasak-Sei stark. Selma] nur temporär und mit kleiner Auflage angelegt. Das Unterrichstmaterial ist für Lehrkräfte nicht mehr erhältlich und es gibt keine Neuauflage.
Zur Zeit entsteht in Zusammenarbeit mit plattform-p , Agentur für pädagogisches Schulmarketing und Bildungsprojekte, neues multimediales Unterrichtsmaterial. Dieses soll in einem Verlag veröffentlicht werden und langfristig erhältlich bleiben.
Weiteres erfahrt Ihr in Kürze hier.
